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eSIM Karte bei Telekom, Vodafone und o2: Wann kommt die fest verbaute Handy-SIM-Karte?

Fest verbaute eSIM in Smartphones, Smartwatches und Geräten ab 2016 bei den Netzbetreibern

eSIM - Was ist das?Erst Vodafone, dann o2 – und jetzt auch noch die Telekom. Schon 2016 setzen alle deutschen Netzbetreiber auf die Einführung der eSIM, einer fest verbauten SIM-Karte im Endgerät. Durch diese virtuelle SIM-Card würde der Austausch (z.B. bei einem Handyanbieter-Wechsel) wegfallen. Klingt bequem und einfach, doch welche Nutzer haben wirklich einen Vorteil davon? Und wann geht die feste SIM-Karte für Smartphones in Serie?

UPDATE Ein Vorläufer der eSIM? Im neuen 9,7″ iPad Pro hat Apple die sogenannte Apple SIM verbaut, die aktuell nur über Netzbetreiber Telekom angesprochen werden kann. Allerdings verfügt das iPad auch über einen weiteren SIM-Karten-Schacht, der wie gewohnt für andere Datentarife nutzbar ist.

Wofür steht die Abkürzung eSIM?

eSIM-Karte

Wird sich die fest verbaute eSIM-Karte durchsetzen?

Zuvor ein kleiner Exkurs zur Begrifflichkeit: Ein Blick in die Wikipedia zeigt: Die Abkürzung eSIM steht für embedded Subsricber Indentity Module, also eine eingebaute (= physisch fest verbaute) SIM im Gegensatz zu den SIM-Karten, die wir bislang kennen (SIM, microSIM, Nano-SIM) und selbst einsetzen müssen, wenn wir ein neues Smartphone gekauft oder einen neuen Handyvertrag geschlossen haben.

Das heißt also im Klartext: Anders als bei jetzigen Smartphones können eSIMs nicht entnommen werden, da sie sich im Innern der Geräte befinden.

Wie funktioniert eine eSIM? Was passiert beim Anbieterwechsel?

Kernidee einer eSIM ist, dass die SIM-Karte, auf der die relevanten Informationen für die Mobilfunknutzung hinterlegt sind, künftig nicht mehr manuell ausgetauscht werden muss, sondern »umprogrammiert« wird. Der Anbieterwechsel vollzieht sich somit geräuschlos, ohne dass SIM-Karten de facto in Geräten ersetzt werden. Mobilfunkanbieter-Daten werden über einen gemeinsamen Server abgerufen, für die ein Standard entwickelt werden muss (zum Austausch entsprechender Daten zwischen diversen Endgeräten).

Individuelles eSIM-Profil mit eID statt SIM-Karte

Zusammengefasst heißt das: Ihr habt auf der virtuellen SIM-Karte eSIM ein entsprechendes Profil, das ihr via Aktivierungscode (bekommt ihr bei Vertragsabschluss) in Betrieb nehmt. Dieses Profil könnt ihr euch herunterladen und das Endgerät damit nutzen. Die sogenannte eID (eigentlich: eUICCID) ist damit die Identifikationsnummer für eure eSIM-Karte, für die ihr den Code benötigt. Vorsicht, wenn ihr euer Gerät verkauft: Mit aktivierter eSIM können auch andere euer Profil und damit euren Vertrag nutzen. Vor einer Geräteweitergabe bzw. einem Verkauf solltet ihr daher stets euer heruntergeladenes eSIM-Profil auf dem Mobilgerät vollständig löschen!

Größenvorteile der eSIM

Ein wichtiger Vorteil der neuen eSIM ist ihre Größe: Sie ist bedeutend kleiner als herkömmliche SIM-Karten und damit vor allem für den Einsatz in intelligenten Smartwatches geeignet – kein Wunder also, dass Vodafone sie auch direkt mit der Samsung Galaxy Gear S2 promotet. Durch den Platz sparenden Einbau ist es möglich, die Smartwatch unabhängig von der Kopplung mit einem Smartphone zu nutzen (wenn man mit seiner Uhr telefonieren oder surfen möchte). Bislang ist ja erforderlich, dass ihr Smartwatch und Smartphone konnektieren müsst, um Mobilleistungen mit der Uhr nutzen zu können.

Wo gibt es Handys bzw. Smartphones mit integrierter eSIM?

Eine gute Frage, denn eine fest verbaute eSIM setzt ja auch voraus, dass es Geräte gibt, in denen diese eSIM enthalten ist. Zum jetzigen Zeipunkt (März 2016) ist genau das das große Manko:  Smartphones mit eSIM-Unterstützung sind noch nicht verfügbar , und da gerade erst die neuste Modellgeneration des Samsung Galaxy (S7) erschienen ist, wird es wohl auch noch dauern, bis die Marktdurchdringung perfekt ist.

eSIM für Smartwatches, Smart-Wear und smartes Leben

Andererseits zeigt das aber auch: Die eSIM wird wohl primär kein Mobilfunk-Produkt im klassischen Sinne der Handynutzung sein, zumindest nicht zum Start, sondern vor allem in Smartwatches oder intelligenten Haushaltsgeräten zum Einsatz kommen (Waschmaschinen, Kaffeemaschinen (die Tchibo QBO ist sicherlich nur eine Vorstufe), Kühlschränken, Autos etc.), das »Internet der Dinge«, die smarte Vernetzung im Alltag, vorantreiben.

Noch mehr SIM-Karten als Einwohner

Ein großer Vorteil für Mobilfunkanbieter: Der Verkauf von neuen Handyverträgen für diese Geräte wird erweitert und somit Neugeschäft forcieren. Zwar übersteigen schon jetzt die SIM-Karten-Zahlen in Deutschland die tatsächlich hier lebenden Einwohner (113,8 Mio. SIM-Karten sind im 4. Quartal 2015 von der BNetzA registriert), mit der eSIM dürfte das Vertragsaufkommen noch mal beschleunigt werden. Deshalb ist auch klar, warum die Netzbetreiber sich diesem möglichen neuen Alltagstrend nicht verschließen, vor allem, wenn Kooperationspartner Geräte mit smarten Funktionen entwickeln wollen. 😉

Welche eSIM Vorteile hat die Einführung der fest verbauten SIM-Karte?

Vorteile der eSIM-Karte

Die Vorteile der Mobilfunknetzbetreiber liegen auf der Hand, doch wie sieht’s für uns aus?

  • Convenience wird bei der Einführung der eSIM-Karte groß geschrieben. Und diese Bequemlichkeit äußert sich darin, dass ihr eure  SIM-Karte nicht mehr kompliziert wechseln  müsst, dabei womöglich das Gehäuse zerkratzt oder die SIM selbst beschädigt.
  • Auch die Frage nach dem  richtigen SIM-Karten-Format  (Nano, Micro etc.) müsst ihr euch nicht mehr stellen.
  • Durch ihre  (kleine) Größe  ist es möglich, die eSIM in kleine smarte Alltagshelfer wie Fitnessband (Activity-Tracker) oder Smartwatch einzubauen. Immer mehr kleine elektronische Geräte werden so mit Mobilfunktionen ausgestattet, ohne dass ihr sie erst mit eurem Smartphone konnektieren müsst.
  • Der Postversand für die Zustellung einer physischen SIM-Karte entfällt, im Grunde kann die  eSIM binnen weniger Minuten / Stunden »umprogrammiert«  werden und ist sofort einsatzbereit, wenn ihr euer Endgerät zugestellt bekommt.
  • Auf einer eSIM lassen sich  mehrere Anbieterprofile  hinterlegen, sodass ihr z.B. 2 Handyverträge parallel nutzen könnt. Dafür war bislang die Anschaffung eines Dual-SIM-Smartphones notwendig.
Fazit zu den Vorteilen

Einfacher, schneller, bequemer: Die Einführung der eSIM soll es Verbraucher ermöglichen, unkompliziert ihre Profile auf immer mehr Endgeräte, die künftig nicht nur Smartphone oder Smartwatch, sondern auch Kühlschrank oder Kaffeemaschine heißen, übertragen und einrichten zu können. Das wird für die Alltagsdurchdringung smarter Elektronik im Haushalt sicherlich zu einem wichtigen Baustein.

Welche eSIM Nachteile hat die Einführung der festen SIM-Karte?

Nachteile der eSIM

Bequemer? Einfacher? Schneller? Es gibt auch Hindernisse, die sicherlich für Negativerfahrungen sorgen werden. Leider.

  • Ist die  eSIM kaputt  (also wirklich defekt), muss das ganze Gerät eingeschickt werden und nicht lediglich eine SIM-Karte ausgetauscht werden. Ob eine eSIM anfälliger für technische Defekte ist als eine normale SIM-Karte, steht in den Sternen, plausibel wäre das aber nicht. Aber: Einer der häufigsten Reparaturgründe für Smartphones ist der Wasserschaden: Gut möglich also, dass mit dem Gerät eure eSIM und damit auch euer Vertrag erst einmal absäuft …
  • Was den  Datenschutz  betrifft, dürfte die technische Entwicklung wieder einmal schneller sein als grenzüberschreitende Regularien. Wie gläsern wird man als Nutzer tatsächlich gegenüber Mobilfunknetzbetreibern, die ja dann bald auch wissen, was der Kühlschrank automatisch (nach-)bestellt?
  • Die Standards werden aktuell noch verabschiedet, sind keineswegs fix. Bis man sich also auf einen  einheitlichen Standard für die eSIM  geeinigt hat, der für alle Netzbetreiber und für alle Gerätehersteller verbindlich ist, dürfte noch Zeit ins Land gehen. Vor allem in puncto Datenschutz: Wo sollen die Daten für alle Kunden zentral gespeichert werden, wer bekommt Zugriff, wie werden diese Daten geschützt? Eine Mammut-Aufgabe, wo »Daten-Lecks« programmiert sind.
  • Wird es wirklich so einfach sein, zu seinem neuen Handyanbieter zu wechseln? Netzbetreiber dürften kein Interesse daran haben, dass Kunden schnell zum günstigsten Handytarif im Vergleich wechseln. Vermutlich klingt der Mechanismus flexibler, als er in Wirklichkeit ist. 😉
  • Erst einmal dürften nur die großen Netzbetreiber die eSIM-Karte einführen − die weitaus günstigeren Tarifanbieter und Discounter werden wohl hinterherhinken, wenn überhaupt. Heißt natürlich auch:  Weniger Auswahl beim günstigen Handyvertrag , wenn das Angebot limitiert ist.
  • Wie bereits erwähnt: Noch gibt es so gut wie  keine Endgeräte  im Markt, die eine implantierte eSIM mitbringen. Das wird sich natürlich mit zunehmender Akzeptanz ändern. Eine Umrüstung alter Smartphones dürfte nicht möglich sein.
  • Bei  Verlust oder Verkauf eines Smartphones  muss man verstärkt darauf achten, das aktivierte eSIM-Karten-Profil zu löschen. Sonst können Diebe oder Käufer nämlich mit eurem Handy Schindluder betreiben. Deshalb ist es sehr wichtig, das Profil vollständig zu löschen. Dafür sind mitunter  gute Smartphone-Kenntnisse notwendig . Das dürfte zu jeder Menge Komplikationen und Missbrauch führen, zumindest bei unbedarften Nutzern.
Fazit zu den Nachteilen

Die eSIM-Vorteile klingen plausibel, definitiv. Zumindest in der Theorie. Doch meines Erachtens überwiegen − vor allem zum Start − noch so viele Unwegbarkeiten, dass ein reibungsloser Start der eSIM eigentlich wenig wahrscheinlich ist. Statt sauberer SIM-Mechanik kommen Unsicherheiten hinzu. Kann die eSIM gehackt werden? Wohin fließen die Daten und Nutzerprofile? Was wird tatsächlich alles gespeichert und an wen übertragen? Der Siegeszug der eSIM zur Standard-SIM, die schon für 2017 prophezeit ist, wird ein stolpersteiniger Weg, keine Laufbahn, auf der rasantes Tempo aufgenommen wird, so zumindest meine vorsichtige, nicht apokalyptische Prognose heute. Es wartet jedenfalls noch jede Menge Arbeit.

Über Daniel (1658 Artikel)
Daniel hat den Handytarifmarkt seit 2010 intensiv im Blick und weiß um die günstigsten Handy-Deals in Handyshops, bei Tarif-Discountern, Serviceprovidern und Netzbetreibern und stellt euch die neuesten Handyschnäppchen und Tarifknaller vor. Daniel lebt in Berlin.
Tarif-Empfehlung

Was haltet ihr von der Einführung der eSIM-Karte für Endgeräte? Starke Technik oder Tullus?

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