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Handy-Vertragslaufzeit künftig nur noch 6 Monate? Ein Kommentar zum „Kommentar“ der Verbraucherzentrale

vzbv-Vorschlag erntet unser Unverständnis: Wie kommt man denn darauf?

Handy-Vertragslaufzeit 6 Monate Eins vorab: Wir sind an sich Fans der Verbraucherzentrale (vzbv) − weil sie auf derselben Seite stehen wie wir und ebenfalls versuchen, viele Dinge für den Verbraucher klarer zu machen (z.B. haben wir den viel zitierten Prepaid-Trick beim Namen genannt). Was Verbraucherschutz betrifft, rennt ihr also auch bei uns offene Türen ein.  Was das Thema der Einführung neuer verpflichtender Mindest-Vertragslaufzeiten für Handytarife betrifft, ist die vzbv unserer Meinung nach aber leider (wie schon die Regierung) auf dem Holzweg. So fordert sie sogar eine Verschärfung des Vorschlags der Einführung einer Mobilfunkvertragslaufzeit von 12 Monaten, wie es das BMJV (Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz) vorschlägt. In der Stellungnahme zum Gesetzesentwurf der "fairen Verbraucherverträge" (durch den der Entwurf ja kommentierend von (vermeintlichen) Profis eingeschätzt werden soll) spricht sich die vzbv u.a. für eine Handy-Vertragslaufzeit von 6 Monaten aus − als Erstlaufzeit, danach eine monatliche Kündigungsmöglichkeit. Das gesamte PDF ist hier nachzulesen. Wir haben uns das kurz angesehen; und können nur den Kopf schütteln ob einiger Einschätzungen und Schlussfolgerungen.

Übrigens: Der Branchenverband VATM sieht das wie wir − und hat einer Studie belegen können, dass die Mehrheit der Verbraucher mit der Wahlmöglichkeit zufrieden ist.

vzbv-Vorschlag: 6 Monate Laufzeit bei Handyverträgen

Konkret wurmt uns folgende Passage, auf Seite 16 folgend:

»Das von Anbietern immer wieder vorgetragene Argument, ihr Geschäftsmodell rund um Bundles, im Besonderen Mobilfunktarife mit subventionierter Hardware (zum Beispiel Smartphones oder Tablets) wäre bei 6-Monatsverträgen nicht mehr möglich, kann für die oben genannten Länderbeispiele [Dänemark, Belgien; Anmerkung der Redaktion) entkräftet werden […]  Im Übrigen sind Tarife mit subventionierter Hardware in vielen Fällen für Verbraucher nicht zu empfehlen, da es häufig günstiger ist, sich das Gerät ohne Subvention direkt im Handel zu kaufen 

Bei letztgenannter Aussage sollten die Verbraucherschützer bitte einmal regelmäßig bei den HandyRaketen vorbeischauen, um zu sehen, welche Bundle-Preise tatsächlich möglich sind, wenn man Preise vergleicht und dann bei vertrauenswürdigen Resellern bestellt.

Wer alle 2 Jahre wechselt, erzielt dann nämlich die wirklichen Schnäppchen und Preise, die mit Sicherheit weder in Dänemark noch Belgien (die hier als Beispiele für eine gelungene Neuregelung genannt werden) durch die Reformierung möglich sind. Wie kommt die Verbraucherzentrale zu dieser Feststellung? Weil sie den Online-Wettbewerb ausklammert?

Bundle-Käufe sollen sich nicht rechnen?

Der Beleg mit Hinweis auf teltarif macht es nicht besser: Worauf stützen sich die Mobilfunk-Kollegen überhaupt, wie kommen sie zu ihrer Einschätzung, wo wir doch täglich zahlreiche Belege gegen diese These finden?

Zudem sind die Aussagen veraltet; dass diese Behauptung aber ungeprüft und Jahre alt von der vzbv für eine Gesetzeskommentierung übernommen wird, ohne diese Aussagen noch einmal auf Aktualität und Wahrheitsgehalt zu überprüfen, kommt uns falsch vor.

Selbst die Stiftung Warentest hat mit diesem Mythos aufgeräumt und letztlich eingeräumt, dass Bundles günstiger seien als der Getrenntkauf:

»Früher galt die Regel: Mit einem selbst gekauften Handy und einem selbst ausgesuchten Tarif fahren Kunden billiger als mit einem Vertrags­handy.  Tatsäch­lich gilt diese Weisheit in vielen Fällen nicht mehr. Die Analysen der Stiftung Warentest zeigen: Im Paket mit einem Mobil­funk-Vertrag sind viele Smartphones güns­tiger zu haben als im Laden . Voraus­setzung dabei ist aber stets: Der Kunde kündigt seinen Vertrag am Ende der Lauf­zeit recht­zeitig und hält sich für einen Tarifwechsel bereit.«

Verbraucherzentrale mit durchaus guten Ansätzen – aber ohne Praxiswissen in diesem konkreten Fall

Nun weisen wir darauf hin: Die von uns herausgerissenen Passagen sollten unbedingt im Gesamtkontext gelesen werden, denn natürlich hat sich die vzbv mit der Thematik ausführlicher auseinandergesetzt, als es dieser (doch eher unserer Meinung nach schlampig recherchierte) Befund aussagt.

Bitkom: Verbraucherschutzpläne schädigen Preisbewusste

Es zeigt uns jedoch, dass anscheinend nicht wirklich verstanden wurde, dieses Bundle-Argument richtig einzuschätzen. Nur durch die Planungssicherheit über 24 Monate ist es überhaupt möglich, ein Top-Smartphone zu attraktiven Einmalpreisen von bspw. 1 € anbieten zu können. Das sieht auch der Bitkom in einer aktuellsten Einschätzung so (Pressemitteilung vom 20.2.2020). So fasst Präsidiumsmitglied Ametsreiter zusammen:

»Die Mobilfunkunternehmen machen ihren Kunden attraktive Angebote, bei denen Tarife mit Smartphones zu besonders geringen Preisen kombiniert werden, was die niedrigen Wunschpreise erklärt.  Die aktuellen Pläne des Verbraucherschutzministeriums, die Vertragslaufzeiten auf ein Jahr zu begrenzen, gefährden dieses Preismodell  – zum Schaden preisbewusster oder weniger finanzstarker Verbraucher.«

Die Idee, Hardware-Verträge entkoppelt vom Tarif über zwei Jahre zu strecken, trägt diesem Gedanken doch gar keine Rechnung, ist eine Utopie, die mit der Realität nichts zu tun hat. Soll heißen: Natürlich kommt das den Verbraucher teuer zu stehen, wie soll hier ein Anbieter ein Gerät unter Wert anbieten können, wenn doch dafür Kalkulationen mit Kunden über 2 Jahre notwendig ist, weil aus Abschlussprovisionen für Mobilfunkverträge quersubventioniert wird?

Kein Anbieter ist aktuell in der Lage, einen Geräte-Vertrag unter aktuellem Kaufwert anzubieten − jedenfalls nicht als funktionierendes Geschäftsmodell. Wie auch? Wie sollte dies also dann funktionieren, wenn es plötzlich nur noch Halbjahresverträge gibt und man sich die Hardware teuer über eine Handy-Finanzierung zulegen soll? Hier fehlt dem vzbv anscheinend leider die notwendige Sachkenntnis, was erschreckend ist, wenn man damit ein Gesetzesthema kommentiert, oder sehen wir die wahren Argumente nicht?

Interessant finden wir hingegen die Ausführungen aus anderen Ländern und auch den Hinweis, dass ein derzeit praktiziertes Neukunden-Modell (mit hohen Rabatten und Subventionen anlocken, statt in Bestandskunden und Service zu investieren) mit kürzeren Vertragslaufzeiten zu einem verbesserten Mobilfunk-Gesamtmarkt führen könnte. Dass also die Neukunden-Mechanik der Holzweg ist − das mag durchaus sein.

Klingt logisch, lässt sich aber für uns (subjektive Meinung) verallgemeinern bzw. verifizieren. Ist der günstige Preis für Mobifilunkleistungen nicht eines der häufigsten Kriterien für einen Anbieterwechsel − und nicht der Service (der Anbieter frisch FUNK, der sich auf Service als USP spezialisierte, ist vor einigen Jahren damit doch gescheitert). Sind es nicht die Anreize (mit Prämien oder Geräten), die einen wechseln lassen?

Solch eine Regelung würde den Markt und damit den Wettbewerb nicht mehr beleben, sondern im Gegenteil höhere Abschluss-Kosten rechtfertigen (vielleicht auch durch die Hintertür mit höheren einmaligen Anschlusspreisen) − so jedenfalls unsere Meinung.

Vorschlag: Nur ein Hybridmodell benachteiligt den Verbraucher nicht!

Wir sprechen uns nach wie vor − ob das nun Gehör findet oder nicht − gern für eine Basis-Vertragslaufzeit von 6 oder 12 Monaten aus (warum nicht sogar auch nur einen Monat?), aber nur, wenn den Verbrauchern weiterhin auch eine Wahlfreiheit gegeben wird, sich freiwillig für eine längere Laufzeit entscheiden zu können, also bspw. 2 (oder mehr) Jahre, damit die bisherigen Bundle-Preise weiterhin möglich sind. Und vor allem, wenn eine Kündigung einfacher gemacht wird, sodass Erinnerungs- oder Kündigungsdienste im Netz (als Datenkraken) überflüssig werden (die Idee des Kündigungsbuttons haben wir ja stets unterstützt).

Mit diesem Hybridmodell wäre die Wettbewerbskomponente, die die Verbraucherzentrale ja als Argument anführt, für Basisverträge (ob mit einem, sechs oder 12 Monaten Laufzeit) gegeben, und die eifrigen Schnäppchenjäger, die sich durch cleveres Vergleichen gern ein neues Smartphone oder einen günstigen Tarif (sogar zum Nulltarif) erarbeiten, schauen nicht in die Röhre − finanziell, wohlgemerkt.

Daniel
Über Daniel (Redaktion) (4325 Artikel)
Mobilfunk-Experte und Schnäppchen-Fan seit 2009 / viel zu ehrlich, um euch einen zu teuren Handytarif anzuschnacken / kennt die Tricks der Mobilfunkanbieter und weist euch auf Kostenfallen hin / 2019 als Mobilfunkexperte für RTL im Einsatz / zahlt monatlich 20 € für seine 20 GB Allnet-Flat im Telekom-Netz / Rufnummernportierer seit 1999 / nutzt aktuell ein iPhone

Was meint ihr, würden 6 Monate Laufzeit besser für den Mobilfiunkmarkt sein oder nicht?

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1 Kommentar zu Handy-Vertragslaufzeit künftig nur noch 6 Monate? Ein Kommentar zum „Kommentar“ der Verbraucherzentrale

  1. 🚀güdi🚀 // 4. März 2021 um 14:36 // Antworten

    NEIN Daniel,

    auf gar keinen Fall..!

    So wie es jetzt aktuell aussieht (gestrige Sitzung vom Bundestag)
    zu 98 % wird es GsD keine Änderung von BUNDLE auf nur 6 oder
    12 Monate geben.

    Die Kosten für solche Umstellungen ginge in die Millionen von Euro und würden, in einem „Verteilerschlüssel“ auf jeden Mobilfunk Kunden umgelegt und zu einer Verteuerung, aller Verträge führen.

    Also kam die Verbraucherschutzministerin Christine Lamprecht
    mit ..“IHREN“ 12 Monatsverträgen …NICHT…zum Zug.!

    Ein Durchatmen in der gesamten Mobilfunk Branche..!
    Somit werden weiterhin, die gewohnten 24 Mon. Bundle
    weiterlaufen können.

    Hoffentlich ..“im Eifer des Gefecht’s..!“ wird der
    dringend benötigte „Kündigungs-Button“ nicht vergessen,
    auf den viele, unteranderem Ihr zwei, schon so lange
    wartet..!

    Grüße vom 🚀güdi🚀


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