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Handyversicherung im Test: Sinnvoll oder nicht?

Handyversicherung

Zahlreiche Handyshops werben vor Ort und online mit zusätzlichen Handy-Versicherungen, die das Smartphone vor allerlei Katastrophen schützen sollen. Diebstahl, Wasserschaden, Display-Bruch – gerade bei Geräten jenseits der 500-Euro-Marke sind Schäden eine ärgerliche Angelegenheit.

Doch eine Handyversicherung deckt längst nicht alle Fälle ab. Ob sich der Abschluss einer meist teuren Zusatzversicherung überhaupt lohnt oder ob ihr das Geld lieber direkt für ein neues Handy sparen solltet, untersuchen wir in diesem Beitrag.

Sind Handy-Versicherungen sinnvoll?

Handy-Versicherungen scheinen auf den ersten Blick die Lösung für eine ganze Reihe möglicher Schäden oder Verluste zu sein. Noch dazu ist eine entsprechende Versicherung einfach verfügbar: Oft könnt ihr diese schon beim Kauf auswählen – oder auch nachträglich abschließen.

Diebstahl, Wasserschaden, Display-Bruch: Was decken Handyversicherungen überhaupt ab?

Der Markt ist groß − und unübersichtlich. So gibt es den Handyshop als Vermittler der Policen. Dahinter steckt wiederum eine größere Versicherung. Nur als Beispiel: Der Media Markt Plusschutz wird etwa von der Allianz umgesetzt. Und dann sind noch Konzepte wie Friendsurance auf dem Markt zu finden, von herstellerabhängigen Zusatz-Garantien einmal ganz abgesehen (Stichwort: Apple Care Protection Plan). Auch die Netzbetreiber bieten eine Versicherung zum Handyvertrag an.

Eine der populärsten Versicherungen stellt die Axa-Handyversicherung dar − die vor allem durch die Werbung bekannt geworden ist:

Jedenfalls: Allein der Kaufpreis scheint für die Handy-Versicherung zu sprechen. Top-Flaggschiffe kratzen immer häufiger an der 1.000-€-Marke. Und mal ehrlich: Selbst 500 € sind eine Menge Geld für das Smartphone – dann doch lieber die paar Euro mehr für die Versicherung ausgeben und auf der sicheren Seite bleiben, oder?

Handyversicherungen im Test & Vergleich

Handyversicherungen im Test & Vergleich: Gehört ein Wasserschaden zum Standard-Repertoire?

Lohnt sich eine Handyversicherung?

Mit der sicheren Seite ist das so eine Sache. Denn ihr solltet im Blick behalten, für was genau ihr zahlt.

Schon ein Blick ins Kleingedruckte oder in die Berichte verschiedener Zeitungen zeigt: Die Hoffnung auf Erstattung im Schadensfall ist meistens größer als die tatsächliche Leistung.

Unserer Beobachtung nach sind die Kosten meistens höher als der eigentliche Nutzen.

Handy-Versicherung bei Diebstahl? Was wird abgedeckt?

Interessant wird es, wenn ihr euch das Kleingedruckte der ins Auge gefassten Police zu Gemüte führt. Was steht drin. Und vor allem: Was steht eben nicht drin?

Vorteile von Handyversicherungen

Tatsächlich sind Display- und Wasserschäden Bestandteil der meisten Handy-Versicherungen. Seid ihr also eher ungeschickt und lasst euer Handy gerne mal fallen – oder kommt das Handy auch mit an den See (und ist nicht nach IP-Norm mit Wasserschutz versehen)? In diesem Fall kann sich die Zusatz-Versicherung lohnen. Sollte es zum Schadensfall kommen, erhaltet ihr entweder eine Auszahlung oder ein Ersatzgerät.

Allerdings ist der psychologische Aspekt einer Versicherung nicht zu unterschätzen. Im Sinne von: Mein Handy ist jetzt wirklich abgesichert. Denn grundsätzlich würde eben auch eine gute Schutzhülle oder ein wasserdichtes Case vor dem Schlimmsten schützen.

Generell überwiegen nämlich die Nachteile einer Versicherung

Nachteile einer Smartphone-Versicherung: Darum lohnt sie sich nicht!

Eine Versicherung deckt längst nicht alle Fälle ab.

Kein Schutz bei grober Fahrlässigkeit

Wasserschäden und Displaybrüche können bei grober Fahrlässigkeit vom Schutz ausgenommen sein. Wie sieht es zum Beispiel aus, wenn das Handy bei einem Wolkenbruch im Garten vergessen wird? Oder wenn ihr trotz Regen zwischendurch eure E-Mails checkt?

Vorsicht vor Nachtklauseln

Und dann gibt es noch sogenannte »Nachtklauseln«. Diese wurden ursprünglich vor allem bei Fahrrad-Versicherungen angewandt, wie u.a. Stiftung Warentest berichtet. Eine Nachtklausel schließt den Versicherungsschutz zwischen 22 Uhr und 6 Uhr aus. Blöd also, wenn der Einbruch in eure Wohnung nachts erfolgt – oder euer Handy nachts auf dem Weg nach Hause geklaut wird.

Die Beweispflicht liegt bei euch!

Selbst wenn eine Versicherung Diebstahl und Einbruch im Kleingedruckten auflistet, solltet ihr unbedingt darauf achten, wie diese Fälle näher spezifiziert werden. Denn eine Eingrenzung ist gar nicht selten.

Auch die Verbaucherzentrale warnte bereits, dass viele Versicherungen im Schadensfall eben nicht zahlen, da es sich um eine der oft zahlreichen Ausnahmen handelt. So heißt es in den AGB zur Media Markt Plusschutz Garantie (in Kooperation mit der Allianz):

»Darüber hinaus leisten wir bei Verlust des Gerätes durch: Diebstahl nur, sofern das Gerät in persönlichem Gewahrsam sicher mitgeführt wurde, Einbruchdiebstahl, dies jedoch nur dann, wenn sich das Gerät in einem verschlossenen Haus, einer verschlossenen Wohnung, einem verschlossenen Raum eines Gebäudes oder in einem verschlossenen PKW befunden hat«

Klingt auf den ersten Blick schlüssig, aber mal ehrlich: Ist euer Handy tatsächlich immer gut verschlossen? Ein Diebstahl aus der Mantel- oder Handtasche heraus spricht sicherlich auch nicht dafür, dass das Handy »in persönlichem Gewahrsam sicher mitgeführt wurde«. Kurzum: Ihr seid in der Beweispflicht. Und der Nachweis, dass ihr das Handy sicher mitgeführt habt, ist sicherlich nicht ganz einfach.

Handy-Versicherung ohne Selbstbeteiligung?

Nicht alle Zusatzversicherungen übernehmen die kompletten Kosten. So müsst ihr mit einer Selbstbeteiligung rechnen. Diese wird entweder pauschal erhoben oder berechnet sich über den Gerätepreis. Die Regel sind Beträge zwischen 25 € und 150 € – berücksichtigt ihr die ohnehin zu zahlenden Versicherungskosten, ergeben sich mitunter hohe Zahlungen.

Handyversicherung Erfahrung und Einschätzung: Wie funktioniert der Schutz?

Handy-Wertverlust und Ersatzgeräte

Wer auf eine saftige Zahlung hofft, wird oft enttäuscht. Stattdessen gibt’s ein Ersatzgerät. Auch wenn euer Handy in der Anschaffung sehr teuer war: In vielen Fällen wird der Wertverlust eingerechnet. Ihr solltet also nicht mit dem Top-Smartphone der neuesten Generation rechnen. Stattdessen berichtet etwa die Verbraucherzentrale, dass sogar gebrauchte Handys als Ersatzgerät herausgegeben werden.

Solltet ihr eine Auszahlung erhalten, wird ebenfalls mit dem Wertverlust des Geräts kalkuliert. Bis zu 50 Prozent des ursprünglichen Kaufpreises werden je nach Nutzungsdauer abgezogen. Daraus ergibt sich ein einfacher Schluss: Der Abschluss der Versicherung lohnt sich nur, wenn der Schaden tatsächlich innerhalb weniger Wochen nach dem Handy-Kauf auftritt. Zusammen mit der Selbstbeteiligung schmilzt die Auszahlung nur so dahin.

Bearbeitungsdauer und laufende Kosten

Auch die Bearbeitungszeit ist nicht von Pappe. Oft fehlen Unterlagen, die ihr nachreichen müsst. Nebenbei laufen die monatlichen Gebühren eures Vertrags weiter – und ihr wollt sicherlich auch erreichbar bleiben. Bis zur Auszahlung kann es also gut sein, dass ihr selbst für ein Ersatzhandy sorgen müsst.

Versicherungsschutz endet nach Inanspruchnahme

Wie viele Schadensfälle deckt eine Handyversicherung ab? Meistens genau einen. Nehmt ihr eure Handyversicherung in Anspruch, dann erlischt der Schutz. Ihr könnt die Versicherung also nicht beliebig oft nutzen.

Gilt die Smartphone-Versicherung auch im Urlaub?

Viele Versicherungen decken tatsächlich auch den Schadensfall im Urlaub ab. Gerade bei Diebstahl müsst ihr jedoch besonders sorgsam sein: Denn meistens ist die Aufbewahrung des Handys im Hotel-Safe Pflicht. Und mal ehrlich: Die Wahrscheinlichkeit, dass euer Safe aufgebrochen wird, ist deutlich geringer, als dass euer Handy am Strand abhanden kommt. Auch hier heißt es wieder: Der Nachweis über den sorgsamen Umgang ist gefragt.

Ist eine Handyversicherung monatlich kündbar?

Die Kosten einer Handy-Versicherung orientieren sich meist am Gerätepreis. Oft schließt ihr die Zusatzversicherung über einen festen Zeitraum ab (etwa via Media Markt – Schutz für zwei Jahre).

Die fällige Summe begleicht ihr als Einmalzahlung direkt beim Geräte-Kauf.

Andere Handyshops vermitteln Zusatz-Versicherungen mit monatlicher Ratenzahlung – meistens über eine Laufzeit von zwei Jahren. Das zeigt aber auch: Wer sein Handy jährlich austauscht (etwa, um immer die neueste Generation zu nutzen), für den lohnt sich keine Police mit 24-monatiger Laufzeit.

Wichtig: Schaut unbedingt ins Kleingedruckte des jeweiligen Versicherungsangebots. Viele Zusatz-Versicherungen sind mit einer Mindestlaufzeit verbunden. Es gibt aber auch monatlich kündbare Angebote. Achtet auch darauf, ob sich der Versicherungsschutz nach Laufzeitende automatisch verlängert. Eine grundsätzliche Regelung gibt es hier nicht – es kommt jeweils auf das spezielle Angebot an, das ihr ins Auge gefasst habt.

Handy-Versicherung Test 2018

Immer wieder bestätigt die Presse, was auch wir in diesem Beitrag darzulegen versuchen: Eine Handyversicherung lohnt sich eher nicht. So titelt Bild.de »Finger weg von Handy-Versicherungen« (Artikel vom 27.3.2018, BILDplus-Inhalt) und auch faz.net rät von einer Handyverischerung eher ab (Artikel vom 3.4.2017).

Detaillierte Tests und eine neutrale Gegenüberstellung einzelner Versicherungen gibt es jedoch kaum. Wer sich genauer informieren will ohne dabei zu tief ins Kleingedruckte einzusteigen, kann sich bei der CHIP einen Vergleich zu Gemüte führen. Dort siegt Friendsurance als Versicherungsanbieter mit der Note »sehr gut« – allerdings auch hier der Hinweis der CHIP, dass Handyversicherungen generell eher teuer sind (»Es gibt im Versicherungsgeschäft keine Schnäppchenangebote«).

Klar, auch die Stiftung Warentest darf nicht fehlen, wenn es um einen Test der Handyversicherungen geht. Die Einschätzung, dass sich eine Handyversicherung eher nicht lohnt, stammt aus dem Jahr 2014 – gilt aber prinzipiell noch heute. 2017 ergänzten die Tester in einem Kommentar:

»Wir würden sogar soweit gehen: „Finger weg von ALLEN Elektronikversicherungen mit Diebstahlsschutz«

Das sind deutliche Worte.

Wer sich weiter einlesen will, dem können wir außerdem die finanztip-Themenseite empfehlen.

Alternative zur Handyversicherung

Dass sich eine Handyversicherung kaum lohnt, wisst ihr ja bereits. Der bessere Weg, als viel Geld für eine Versicherung auszugeben, die im Zweifelsfall nicht zahlt: Legt monatlich einen kleinen Betrag für ein neues Handy oder aber für eine Handy-Reparatur zur Seite.

Reparatur selbst bezahlen

Für die Reparatur eines Handy-Displays müsst ihr abhängig von Gerät und Hersteller auch mal locker um die 300 € einplanen – speziell, wenn es sich um besondere Display-Formen (etwa mit Notch oder abgerundeten Seiten) handelt.

Zieht ihr in Betracht, dass eine Versicherung nur ein einziges Mal genutzt werden kann und dass oft eine Selbstbeteiligung zusätzlich zu den Versicherungskosten anfällt, lohnt es sich mitunter dennoch, eher die Reparatur aus eigener Tasche zu bezahlen – und auf den Versicherungsabschluss ganz zu verzichten. Das geht auch schneller, als die Prüfung durch die Versicherung dazwischenzuschalten.

Generelle Tipps zur Handy-Reparatur findet ihr in einem eigenen Beitrag.

Überversichert? Handyschaden durch Hausratsversicherung abgedeckt?

Viele Schäden werden auch von der Hausratsversicherung übernommen. Bevor ihr also voreilig eine Zusatzversicherung abschließt, solltet ihr einmal schauen, ob auch Schäden am Smartphone von eurer Hausratsversicherung abgedeckt werden.

Es kann also vorkommen, dass ihr überversichert seid. Ganz sicher geht ihr, wenn ihr eine Beratung, etwa durch einen Versicherungsmakler, in Anspruch nehmt. Denn mal ehrlich: Als Laie ist es kaum möglich, durch all die Konditionen durchzublicken.

Garantie und Gewährleistung statt Smartphone-Versicherung

Vermutlich zu offensichtlich, um überhaupt daran zu denken: Für diverse technische Defekte steht ja noch die Gewährleistung (beim Händler) sowie die eventuelle Hersteller-Garantie bereit.

Handy-Zubehör bietet ebenfalls guten Schutz

Wer generell eher ungeschickt ist, findet auf dem Markt ausreichend Zubehör, um sein Handy vor Stürzen und Wasserschäden zu schützen. Dazu gehören wasserdichte Hüllen sowie kratzfester und bruchsicherer Displayschutz. Und dafür müsst ihr nicht einmal mehr als 10 € hinlegen.

Unser Fazit: Eine Handy-Versicherung lohnt sich nicht!

Generell solltet ihr im Hinterkopf behalten, dass Versicherungen für wirklich existenzbedrohende Situationen gedacht sind, in denen sich die Schadenssumme auf riesige Summen beläuft. Haftpflicht- und Hausratsversicherung oder Berufsunfähigkeitsversicherung sind solche Fälle.

Ist das neue Handy schon nach kurzer Zeit durch Unachtsamkeit kaputt, ist das zwar ärgerlich, doch die Kosten lassen sich noch verschmerzen. Alternativ lässt sich dann schließlich auch ein günstiges Einsteiger-Handy für den Übergang nutzen.

Unser Tipp: Legt die Versicherungsgebühr lieber für eine eventuelle Reparatur oder einen Neukauf zurück.

Daniel
Über Daniel (Redaktion) (3531 Artikel)
Mobilfunk-Experte und Schnäppchen-Fan seit 2009 / viel zu ehrlich, um euch einen zu teuren Handytarif anzuschnacken / kennt die Tricks der Mobilfunkanbieter und weist euch auf Kostenfallen hin / 2019 als Mobilfunkexperte für RTL im Einsatz / hat auf derselben Schule wie Pinar Atalay (ARD Tagesthemen) Abitur gemacht / nicht mit dem Torwart vom HSV zu verwechseln / zahlt monatlich 16,25 € für seine 10 GB Allnet-Flat im Telekom-Netz / Rufnummernportierer seit 1999

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