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Nachhaltigkeit & Smartphones: Was es bedeutet, ein fair produziertes Handy zu kaufen

Nachhaltigkeit & Smartphones

Smartphones und Nachhaltigkeit: Wie passt das eigentlich zusammen? Eigentlich wird ja aufgrund der seltenen Erden das Smartphone eher als Umweltproblem der Neuzeit gesehen.

Ob Samsung, Apple, Huawei: Geht es um die Entscheidung für ein neues Handy, greifen die meisten Kunden zu den bekannten Marken. Doch es gibt Alternativen.

Nachhaltige Smartphones wie das Fairphone und das Shiftphone setzen auf faire Produktionsbedingungen und Umweltverträglichkeit. Was genau ein fair produziertes Handy ausmacht, haben wir in diesem Beitrag zusammengestellt. Außerdem stellen wir mit dem Fairphone und dem Shiftphone gleich zwei Smartphone-Marken vor, die sich fairen Produktionsbedingungen und Umweltaspekten verschrieben haben.

Gründe für nachhaltige Smartphones

Wer sich die folgenden Punkte genauer anschaut, stellt schnell fest, dass es kaum möglich ist, ein 100-prozentig faires Smartphone zu produzieren. Zu viele Rohstoffe und zu viele Lieferanten sind am Produktionsprozess beteiligt.

Sind umweltfreundliche Smartphones überhaupt realisierbar?

Wie umweltfreundlich ein Smartphone ist, entscheiden auch die Inhaltsstoffe und wie diese gewonnen werden. Hier muss ganz klar gesagt werden: Ein Handy aus komplett fairen und umweltverträglichen Rohstoffen kann es nicht geben. Einige Metalle sind schlicht und ergreifend notwendig, um das Smartphone betreiben zu können. Lithium-Akkus und Kontaktstellen aus Gold sind nach wie vor essentiell.

Seltene Erden als Umwelt- und Problem für Arbeitsbedingungen

Knapp 60 verschiedene und teils seltene Rohstoffe stecken in jedem Handy. Klar ist: Diese Rohstoffe stehen nicht unendlich zur Verfügung. Und werden unter Aufwendung von viel Energie und teils stark belastender Chemikalien gefördert. Soll ein Handy möglichst umweltverträglich sein, dann sollten recycelte Stoffe verwendet werden.

Herstellung unter fairen Arbeitsbedingungen möglich?

Immer wieder machen Berichte über die menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen in den Produktionsländern die Runde. Smartphones werden in Fabriken in asiatischen Ländern hergestellt. Arbeitsschutz und Arbeitsbedingungen sind ein häufiger Kritikpunkt, so richtig geändert hat sich bislang jedoch nichts.

Doch schon bei der Förderung der notwendigen Rohstoffe geht es los: In den Minen in Afrika belasten nicht nur Chemikalien die Umwelt und die Arbeiter. Auch die Arbeitsbedingungen sind ausbeuterisch. Wichtige Rohstoffe werden durch Kinderarbeit gewonnen.

So kritisierte Amnesty International, dass Smartphone-Hersteller von Kinderarbeit in der Demokratischen Republik Kongo profitieren. Der von teils 7-jährigen Kindern abgebaute Kobalt könne in Handys von Apple, Samsung und Sony stecken, so ein Bericht von Amnesty International. Laut Verbraucherzentrale NRW arbeiten rund 20 Millionen Menschen weltweit direkt im Bergbau, bis zu 1,5 Millionen von ihnen sind Kinder.

Dass Kinderarbeit bei den großen Smartphone-Herstellern ein aktuelles Problem ist, zeigt ein Bericht von Zeit.de vom 11. Januar 2018: Demzufolge wurde in Frankreich zuletzt Samsung wegen des Verdachts auf Kinderarbeit angeklagt.

Hinzu kommt, dass am Herstellungsprozess eines einzelnen Handys zahlreiche Lieferanten und Sub-Unternehmen beteiligt sind. Wenn ihr euch vor Augen führt, dass allein mindestens 60 Rohstoffe aus unterschiedlichen Quellen benötigt werden, aus denen erst Einzelteile entstehen, die dann erst noch zusammengeklebt, geschraubt und gelötet werden müssen, dann ist klar, warum es für den Verbraucher schwierig ist, den Produktionsprozess eines Handys nachzuvollziehen.

Nachhaltige Handys – Einzelteile austauschbar

Zwar steigt der Kaufpreis der Smartphone-Flagschiffe von Apple & Co. von Jahr zu Jahr, doch das Handy ist im Prinzip nichts anderes als ein Wegwerfprodukt: Nur rund zwei Jahre sind die meisten Smartphone in Betrieb bis diese durch ein neueres Modell ersetzt werden. Die Hersteller befeuern das und bringen jährlich oder sogar halbjährlich Nachfolge-Modelle auf den Markt. Bei den Providern gibt es mitunter sogar die Möglichkeit, jährlich ein neues Handy zum Vertrag dazuzubekommen.

Repariert wird ein Handy dagegen selten. Akkus sind teils fest verschraubt oder sogar verklebt und der Austausch des Displays oder anderer Komponenten ist kostspielig. Wegwerfen und neu kaufen heißt bei vielen Kunden deshalb die Devise. Nachhaltige Handys bringen dagegen die Möglichkeit mit, Einzelteile zu ersetzen.

Fairphone und Shiftphone – Was können die fairen Handys?

Grundsätzlich gibt es zwei Hersteller, die fair produzierte Smartphones auf den Markt bringen. Das Unternehmen Fairphone stammt aus den Niederlanden, die Shift GmbH dagegen aus Deutschland. Doch wie unterscheiden sich die beiden Handy-Marken voneinander?

Fairphone: Langlebig, modular und transparent

Das Fairphone ist wohl das bekannteste nachhaltige Handy. Nachhaltigkeit wird insbesondere durch die modulare Bauweise sichergestellt: Ersatzteile lassen sich vergleichsweise einfach austauschen. Das Handy ist so konzipiert, dass ihr einzelne Komponenten vom Smartphone selbst reparieren und wechseln könnt. Das Fairphone hat bereits eine wachsende Fangruppe gefunden, dementsprechend gibt es eine Reihe von Anleitungen im Internet, wie ihr die Handys selbst reparieren könnt.

Insgesamt setzt sich das Fairphone aus sechs Modulen zusammen, die sich, wie im Video zu sehen, vergleichsweise einfach auseinander bauen lassen. Fällt eins der Bauteile aus, erhaltet ihr im Fairphone-Shop Ersatz (Kosten: z.B. 20 Euro für den Akku, bis zu 87 Euro für das Display). Außerdem könnt ihr die kaputten Teile an Fairphone zurückgeben und diese recyclen lassen.

Fairphone: Produktion in China

Während der Austausch von Einzelteilen vorbildlich ist, überrascht es doch, dass das Fairphone in China produziert wird. Durch die Kooperationen mit Nicht-Regierungsorganisationen will Fairphone jedoch klarstellen, dass sich das Unternehmen für verbesserte Arbeitsbedingungen und höhere Löhne einsetzt. Im Fairphone-Blog stellt der Hersteller Produktionsbetriebe vor. Außerdem werden dort Lieferketten sowie das Engagement beim Abbau von Rohstoffen beleuchtet.

Zur fairen Herstellung gehört auch eine für Hersteller ungewöhnliche Transparenz: Lieferanten und Lieferketten könnt ihr anhand der zur Verfügung stehenden Liste nachvollziehen.

Gewinne und Kosten offenlegen

Weitere Transparenz schafft Fairphone durch die Offenlegung der Finanzen: Produktionskosten, gezahlte Steuern, getätigte Investitionen sowie die Gewinne pro Handy werden veröffentlicht.

Technische Daten zum Fairphone 2

Sicherlich ist das Fairphone 2 keine technische Innovation. Soll es aber auch gar nicht sein. Ihr bekommt ein Smartphone mit 5-Zoll-Display, 32 Gigabyte Speicher (erweiterbar), Snapdragon 801 Prozessor, 2 Gigabyte Arbeitsspeicher sowie 8 Megapixel Kamera. Das Smartphone kostet 529 Euro. Wie sich dieser Betrag zusammensetzt (Gerätepreis, Steuern, Forschung u.a.) erklärt Fairphone auf seinen Seiten.

Shiftphone dank Crowdfunding

Das Shiftphone stammt aus Deutschland. Produziert werden neben Smartphones auch faire Tablets, das Ganze basiert auf Crowdfunding. Eine modulare Zusammensetzung gibt es zwar nicht, doch defekte Einzelteile können Kunden selbst ersetzen. Das Unternehmen bietet außerdem einen Reparatur-Service an, falls ihr euch die zahlreichen Anleitungen nicht zutraut und lieber Experten ranlasst.

Es gibt auf jeden Fall auch so viele Möglichkeiten für Handyreparaturen, nicht nur fürs Shiftphone.

Aber auch die Shift GmbH produziert Handys in China. Beauftragt werden jedoch keine Großbetriebe, sondern kleine Familienbetriebe.

Transparenz beim Shiftphone

Ganz so ausführlich wie Fairphone ist das Unternehmen Shift in Sachen Transparenz nicht. Im Shift-Blog geht es eher um neue Geräte und Messeberichte. Im Shift Report (als PDF abrufbar) könnt ihr nachlesen, wie Shift Fairness definiert und auf welche Werte das Unternehmen setzt.

Smartphones, Tablet und Tablop

Neben Handys bietet das Unternehmen auch Tablets an. Derzeit wird an einem Tablop gebaut (das Prinzip folgt den Convertibles, ihr erhaltet quasi ein Tablet mit abnehmbarer Tastatur).

Das aktuelle Shift 5.3 Handy ist für 299 Euro im Shop bestellbar (5 Zoll Display, 16 Gigabyte erweiterbarer Speicher, 8 Megapixel Kamera, Dual-SIM).

Die Nachfolger gibt es ab 444 Euro für Vorbesteller, der Tablop soll 999 € kosten.

Der Handy-Ersatzakku kostet 15 Euro. Von Schutzhüllen und Headsets abgesehen, ist die Auswahl im Zubehör-Shop ansonsten jedoch eher gering.

Schon Geschichte? Monohm und das Runcible

Zugegeben, besonders groß ist die Auswahl an Handy-Herstellern, die sich faire Produktionsprozesse auf die Fahnen schreiben, nicht. Hersteller Monohm wollte mit dem Runcible ein nachhaltiges Handy produzieren – und nebenbei den Smartphone-Markt revolutionieren.

Zuletzt machten Nachrichten 2016 die Runde – mit dem Hinweis, dass Monohm eine Finanzierung für sein Runcible sucht (Quelle: golem.de) – der Facebook-Seite des Unternehmens zufolge sind zwar via Crowdfunding genug Vorbestellungen eingegangen, doch seit Sommer 2016 scheint das Unternehmen komplett von der Bildfläche verschwunden zu sein. Ob da noch etwas kommen wird?

Fair Trade Smartphone Test: Können die Handys mithalten?

Die Leistung der fairen Handys scheint jedenfalls gar nicht mal schlecht zu sein. Auf Testberichte.de sind die Einschätzungen von Magazinen wie der Connect zu finden. Im Schnitt wird das Fairphone 2 gut bewertet (Note: 2,2). Für das Shiftphone Shift 5.2 gibt es auf Testberichte.de sogar eine sehr gute 1,3.

Alternativen zum Fairphone?

Wenn es nicht das Fairphone oder das Shiftphone sein soll, dann geben die Hersteller teils Auskunft, welche Materialien in den gängigen Smartphones verbaut sind. Klar, auf Umweltaspekte wird gerne verwiesen, wenn sie denn positiv ausfallen. Als Laie eine Einschätzung zu geben, welche etablierten Hersteller denn nun besonders fair sind, ist jedoch schwierig.

Greenpeace hebt Umweltaspekte bei Elektronik-Herstellern hervor

Es lohnt sich also, auf Experten-Meinungen zu achten. So lassen sich weitere Informationen zum Beispiel im Greenpeace Guide to greener Electronics finden. In der Übersicht zeigt Greenpeace, welche Elektronik-Hersteller Umweltaspekte besonders hervorheben.

Auf TCO zertifizierte Smartphones achten

Beim TCO-Zertifikat handelt es sich um ein Zertifikat für Nachhaltigkeit. Dabei wird nicht nur der Hersteller, sondern der gesamte Produktionsprozess zertifiziert. Erhält ein Smartphone das TCO-Zertifikat, dann werden nachhaltige Prozesse während der Herstellung, während des Gebrauchs sowie bei der Entsorgung berücksichtigt. Das schließt unter anderem folgende Punkte mit ein:

  • das Unternehmen arbeitet an der Verbesserung der Umweltleistung (Umweltmanagementsystem)
  • Engagement im Abbau von Konfliktmineralien wie Wolfram, Tantal, Zinn, Gold, u.a. durch Kontrolle der Lieferkette
  • soziale Verantwortung, u.a. nach den Bestimmungen der UN-Kinderrechtskonvention und Einhaltung der Arbeitsschutzgesetze
  • Angabe des Anteils von recyceltem Kunststoff
  • erhöhte Lebensdauer (Garantie, Angebot von Ersatzteilen, Akku austauschbar)
  • Angabe des Energieverbrauchs
  • geringer Anteil an Giftstoffen
  • Rücknahme von Altprodukten zu Recycling-Zwecken, dazu Codierung der Kunststoffe

Blauer Engel Zertifikat für Mobiltelefone

Bisher hat das Fairphone 2 als einziges Mobiltelefon das Blaue-Engel-Zertifikat erhalten. Die Auszeichnung besagt, dass das Handy

  • eine recyclinggerechte Konstruktion fördert
  • mit einer geringen Strahlenbelastung verbunden ist
  • Anforderungen zur Verlängerung der Nutzungsdauer erfüllt
  • gesundheits- und umweltbelastende Chemikalien vermeidet

Handy gebraucht kaufen

Noch besser als der regelmäßige Neukauf des Handys: Das Smartphone möglichst lange behalten und nicht ständig durch ein neues Modell ersetzen. Wer sein altes Handy ausrangiert, sollte davon absehen, dieses im Hausmüll zu entsorgen. Besser ist, den Recyclingprozess anzustoßen, damit wichtige Rohstoffe wiederverwertet werden können. Und für das neue Handy gilt: Es muss nicht Neuware sein, ein gebrauchtes Handy kann ebenso seinen Zweck erfüllen.

Daniel
Über Daniel (Redaktion) (3453 Artikel)
Mobilfunk-Experte und Schnäppchen-Fan seit 2009 / viel zu ehrlich, um euch einen zu teuren Handytarif anzuschnacken / kennt die Tricks der Mobilfunkanbieter und weist euch auf Kostenfallen hin / 2019 als Mobilfunkexperte für RTL im Einsatz / hat auf derselben Schule wie Pinar Atalay (ARD Tagesthemen) Abitur gemacht / nicht mit dem Torwart vom HSV zu verwechseln / zahlt monatlich 16,25 € für seine 10 GB Allnet-Flat im Telekom-Netz / Rufnummernportierer seit 1999

Smartphones als Umweltproblem? Wie nachhaltig können nachhaltige Smartphones wirklich sein?

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