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Netzneutralität: Was ist das überhaupt? Und ist diese durch 5G gefährdet?

NetzneutralitätWas heißt eigentlich Netzneutralität? Speziell die Telekom mit Stream On stand in der Vergangenheit oft wegen Verstöße gegen die Netzneutralität in der Kritik. Aber was genau bedeutet das überhaupt? Was hat die Bundesnetzagentur mit der Frage nach der Netzneutralität zu tun? Und wie sieht die Zukunft im Sinne des voranschreitenden 5G-Ausbaus aus?

Wir haben uns umgehört und erklären, was es mit der vielbeschworenen Netzneutralität auf sich hat und wie eine Defintion aussehen könnte.

Netzneutralität in Deutschland

Die Netzneutralität in Deutschland geht auf die EU-Verordnung über Maßnahmen zum offenen Internet zurück, die am 30.4.2016 in Kraft getreten ist ((EU) 2015/2120). Nachzulesen auch nochmal in der Telekom-Binnenmarkt-Verordnung.

Definition von Netzneutralität

Doch was genau bedeutet Netzneutralität? Die Bundesnetzagentur als Hüterin über die Netzneutralität verrät es:

»Netzneutralität i.e.S. liegt vor,  wenn der gesamte Verkehr in einem Netz gleich (neutral) behandelt wird , unabhängig von (i) Inhalt, (ii) Anwendung, (iii) Dienst, (iv) Absender sowie (v) Empfänger.«

Das heißt: Inhalte, die über das Internet vermittelt werden, müssen gleich behandelt werden. Also: Gleiche Geschwindigkeit, egal, ob es sich um einen Stream, ganz klassisches Surfen oder um etwas ganz anderes handelt. Es spielt außerdem keine Rolle, wer die Datenpakete sendet oder empfängt.

Bundesnetzagentur: Netzneutralität eingehalten?

In Deutschland ist die Bundesnetzagentur für die Netzneutralität zuständig. Dazu gibt diese jährlich einen Bericht über die Einhaltung der Netzneutralität heraus. Den aktuellen und vergangene Jahresberichte könnt ihr online herunterladen.

Sollte ein Anbieter gegen die Netzneutralität verstoßen, sind Bußgelder in Höhe von bis zu 500.000 € möglich.

Netzneutralität und Telekom Stream On

Speziell die Telekom beschäftigt mit Stream On die Bundesnetzagentur schon seit geraumer Zeit.

In der Vergangenheit gab es einige Gerichtsurteile zum Zero Rating Angebot der Telekom. Doch was hat Stream On mit Netzneutralität am Hut? Im Grunde ist es ganz einfach: Durch die Drosselung von Video-Inhalten wurden Datenpakete lange Zeit nicht mehr gleichbehandelt.

Seit August 2019 hat sich das allerdings geändert: Die Telekom hat die sogenannte Breitbandoptimierung aufgehoben. Außerdem kann StreamOn ab September 2019 auch im EU-Ausland genutzt werden.

Damit hat die Telekom nun endlich die Kritikpunkte der Bundesnetzagentur ausgeräumt, verstößt also nicht mehr gegen die Netzneutralität.

Vodafone Pass, Zero Rating und Netzneutralität

Und wie sieht’s mit dem Vodafone Pass aus?

Die Bundesnetzagentur sieht keinen Grund (mehr) zur Beanstandung des Zero-Rating-Angebots. In einer Pressemitteilung der Netzagentur vom 15.6.2018 hieß es dazu:

»Die Bundesnetzagentur hatte das Angebot „Vodafone Pass“ auch unter Aspekten der Netzneutralität beanstandet. Vodafone hat das Angebot mittlerweile angepasst; aufgrund dieser Anpassung sieht die Bundesnetzagentur derzeit keine Notwendigkeit, das Verfahren weiter zu verfolgen.«

Mittlerweile befinden sich Telekom StreamON und Vodafone Pass aber wieder auf dem Prüfstand.

Netzneutralität: Vorteil oder Nachteil?

?Was spricht für, was gegen die Netzneutralität? Hier die wichtigsten Vorteile und Nachteile bzw. die Argumente, die Provider gegen die Netzneutralität anführen.

Gerade die Provider sehen in der Netzneutralität einen Nachteil: Smartphones werden immer wichtiger, die Datenmengen steigen, nicht zuletzt durch Musik- und Videostreaming sowie unlimitierte Datenverträge. Klar, dass speziell die Provider also eher gegen die Netzneutralität sind, den Datenverkehr lieber steuern und priorisieren würden.

In der Theorie würde das sicherlich Sinn ergeben: Daten, die eine sehr hohe Bandbreite benötigen, könnten priorisiert werden. Videostream und Video-Telefonat könnten stabil laufen, während etwa Updates im Hintergrund langsamer ablaufen könnten.

Stellt sich eben nur die Frage, ob die Provider das dann auch so konsequent durchsetzen würden. Eine häufige Befürchtung ist eben, dass Provider dann eigene Dienste bevorzugen und ähnliche Dienste der Mitbewerber ausbremsen könnten. Auch finanzielle Anreize könnten dahinterstecken: Wer die höchsten Beträge zahlt, erhält die höchste Priorisierung. Alle anderen müssen auf lahme Leitungen zurückgreifen.

So gesehen ist die Netzneutralität also doch mit einem deutlichen Vorteil verbunden.

Netzneutralität und 5G

5G Großes und wichtiges Thema der kommenden Monate (bzw. wohl eher Jahre): Der 5G-Ausbau. Der neue Funkstandard wird speziell in der Industrie erwartet, sollen doch schnellere Verbindungen und eine geringere Latenzzeit so einige Vorteile für die maschinelle Steuerung bringen. Aber: Immer wieder wird befürchtet, dass 5G der Netzneutralität widerspricht.

Die Idee hinter 5G: Es könnte nicht nur ein großes Mobilfunknetz geben, stattdessen wird das 5G-Netz in sogenannte Slices unterteilt, kleine Stückchen, die unabhängig voneinander funken. So berichtete das Handelsblatt etwa von verschiedenen Campus- und Firmennetzen, durch die Zugriffe von Außen vermieden werden sollen.

Diese Netze sind dann von den offenen 5G-Netzen der Privatkunden abgeschnitten und können bevorzugt behandelt werden – höhere Geschwindigkeit und mehr Sicherheit gegen mehr Geld, eine »reservierte Überholspur auf der Datenautobahn«, so das Handelsblatt.

Wie sieht es mit der Netzneutralität in den USA aus?

In der EU ist die Netzneutralität (noch) gegeben. Doch wie sieht’s woanders aus, zum Beispiel in den USA? Tatsächlich wurde die Netzneutralität Mitte 2018 in den USA durch die Telekommunikationsbehörde FCC aufgehoben.

Laut eines ausführlichen Berichts der Süddeutschen ist speziell das Videostreaming betroffen. Und für Kunden stellt sich die Frage: Liegt die Drosselung nun am Provider, am Streaming-Dienst, am Empfang oder am verbrauchten Datenvolumen?

Fakt ist, dass die Abschaffung der Netzneutralität auch in den USA kritisch gesehen wird. So hatte etwa Kalifornien versucht, die Netzneutralität wieder einzuführen, war allerdings gescheitert – die Bundesstaaten seien laut Justizministerium nicht zuständig.

Daniel
Über Daniel (Redaktion) (4651 Artikel)
Mobilfunk-Experte und Schnäppchen-Fan seit 2009 / viel zu ehrlich, um euch einen zu teuren Handytarif anzuschnacken / kennt die Tricks der Mobilfunkanbieter und weist euch auf Kostenfallen hin / 2019 als Mobilfunkexperte für RTL im Einsatz / zahlt monatlich ca. 12 € für seine Unlimited-Flat im Vodafone-Netz / Rufnummernportierer seit 1999 / nutzt aktuell ein iPhone

Was sagt ihr zur Netzneutralität?

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