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Handy-Vertragslaufzeit höchstens 12 Monate? Das Gesetz kommt (zum Glück) nicht (Analyse, Einschätzung & Vorschläge) – die Verbraucherzentrale ist aber weiterhin dafür!

Handyvertrag: Mindestlaufzeit von 12 Monaten im Bundestag abgeschmettert

Mobilfunkvertrag mit Laufzeit 12 Monate Kommt etwa das Ende langer Vertragslaufzeiten für Handyverträge? Wie die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung schon Ende März 2019 berichtete, plante die damalige Bundesjustizministerin Katarina Barley, in vielen Verträgen die Vertagslaufzeit auf maximal ein Jahr zu begrenzen. Frau Barley ist zwar Geschichte, aber auch die auf sie folgende Ministerin (Christine Lambrecht, SPD) machte 2020 mit einem Gesetzesentwurf (die Eckpunkte sind hier nachzulesen) weiter: 12 Monate statt bisher 24 Monate solltet ihr euch künftig nur noch an einen Mobilfunkanbieter binden können. Klingt vielleicht erst mal gut − ist es aber nicht. Nicht nur wir sahen das skeptisch: Das soll zwar Kostenfallen verhindern und vor Abzocke schützen und könnte zwar zu mehr Flexibilität, gleichzeitig aber auch zu höheren Kosten führen, jedenfalls für die Clever-Vergleicher. Und genau deshalb hatte der Bundestag ja im Sommer 2021 gegen die Einführung von 12-Monats-Verträgen votiert. Die Vebraucherzentrale gibt aber nicht auf − und irrt in einer breit gestreuten Presserklärung über die dpa infocom wenig überzeugend weiter.

vzbv dringt auf Einführung von 12-Monats-Verträgen

UPDATE VOM 212.8.2021 Wirklich schade! Da wurden Argumente ausgetauscht, sinnvolle Entscheidungen zur Kündigungsfrist gefällt − und der Verbraucherzentrale Bundesverband hält das Beschlossene, also auch die Beibehaltung günstiger 24-Monats-Finanzierungen durch Handyverträge, nach wie vor für falsch (»Fehler«), wie es in einem dpa infocom-Beitrag (eine Quasi-Pressemitteilung, die über seriöse Medien wie bspw. die SZ eingestreut wird) heißt.

Schade, dass der vbzv nicht in die Spur kommt und in Zweijahresverträgen nach wie vor »Lockangebote« sieht. Gerade diesen wurde ja mit Einführung einer monatlichen Kündigungsfrist nach der Mindestlaufzeit ein Riegel vorgeschoben, der Abzocke durch enorme Preissteigerungen erschwert.

Und vielleicht schaut man zu sehr auf die SIM-only-Tarife, also Angebote ohne Handy − und betrachtet damit nur einen Ausschnitt, nicht aber den gesamten Tarifmarkt. Schade, dass sich der vzbv hier nicht differenzierter und fundiert äußert, passt aber ins Bild, das zuletzt mit einer reißerischen Mitteilung zu angeblich überdurchschnittlich teurem Datenvolumen in Deutschland Zweifel an der Faktenbasiertheit der Verbraucherschützer*innen bei uns nährte.

Das Argument, dass dadurch mehr Wettbewerb entstünde, ist für den SIM-only-Markt mit Sicherheit diskussionswürdig − an Wettbewerb mangelt es unserer Meinung nach aber bereits jetzt schon nicht. Allein auf Netzbetreiber geschaut, vielleicht. Aber gerade die Netzbetreiber haben durch ihre Rabattkonstrukte mit MagentaEINS, GigaKombi & Co. ja bereits »vorgebaut« und die implizite Tarifbindung eingeführt, bringen dadurch Jahr für Jahr mehr Schäfchen ins Trockene.

Außerdem: Ganz ohne Gesetzesdruck duellieren sich ja gerade mit der fraenk FLAT und SIMon mobile Flex die beiden Netzbetreiber Vodafone und Telekom über ihre jungen Discountermarken ganz besonders. Natürlich lässt sich auch dort das Haar in der Suppe finden, aber grundsätzlich sind das für unter 10 € im Monat Preise, wie man sie vor Jahren noch mit der Lupe suchen musste (im D-Netz).

Handyvertrag nur noch auf ein Jahr befristet? Es kommt anders!

UPDATE VOM 25.6.2021 Das Gesetz wurde beschlossen, und dann doch ganz anders als ursprünglich geplant, was die Vertragslaufzeit von einem Jahr betrifft. Dafür wurde sinnvoll der Kündigungsfrist nach Mindestlaufzeit geschraubt:

UPDATE VOM 21.4.2021 Das Gesetz kommt ganz anders als geplant, zum Glück! Dabei wurden alle HandyRaketen-Vorschläge beherzigt − vielen Dank dafür!

Handyvertrag nur noch auf ein Jahr befristet – der Gesetzentwurf liegt vor!

UPDATE VOM 24.1.2020 Es wird konkret: Der Referentenentwurf für das Gesetz für faire Verbraucherverträge wurde vorgelegt.

UPDATE VOM 15.8.2019 Die neue Bundesjustizministerin Christine Lambrecht macht da weiter, wo die alte aufhörte. Und plant, das Handy-Vertragsrecht neu zu schreiben (siehe REUTERS). So soll nun ein konkreter Gesetzentwurf vorliegen, um vor sogenannten Knebelverträgen zu schützen. Wenn auch noch nicht dem Parlament, so liegt dieser wenigstens schon mal der BILD-Zeitung vor. ;-)

»Wir werden die zulässigen Vertragslaufzeiten verkürzen und stärken so die Wahlfreiheit der Kunden.«

Tja, ist dem wirklich so? Was gut gemeint ist, dürfte sich für Handy-mit-Vertrag-Sucher dann bald rächen − denn es entzieht das Geschäftsmodell für Reseller, eine günstige Einmal-Zahlung für ein neues Smartphone anbieten zu können, wenn künftig Kosten auf maximal 12 statt 24 Monate verteilt werden können.

Gesetz wirklich verbrauchernah?

Für SIM-only-Angebote lassen wir den Vorschlag jedoch gelten. Wer eine Kündigung verpasst, für den ist’s ärgerlich. Andererseits werden so die extrem günstigen Angebote in allernächster Zeit verhindert − die natürlich einerseits durch längere Laufzeiten quersubventioniert werden, andererseits dürch Kündigungsverpasser, klar das ist auch Teil der Wahrheit.

Trotzdem: Mit Einführung einer 12-monatigen Mindestvertragslaufzeit wird das Handy-Schnäppchen-Preisniveau nicht mehr das sein, was es aktuell ist. Und schon jetzt wird ja gestöhnt, wie teuer Mobilfunk in Deutschland im Vergleich zum Rest Europas sei … sagt den Verbrauchern also auch, dass dieser neue Schutzschirm kosten wird.

Unser Tipp: Basis-Laufzeit 12 Monate – aber dann mit Wahlfreiheit!

Unser Vorschlag: 12 Monate Basis-Laufzeit, gern! Aber bitte die Wahlfreiheit so ausdehnen, dass freiwillig auch 2, 3 oder sogar noch mehr Jahre gewählt werden können. Das könnte die Mobilfunkkosten sogar mittelfristig senken!

Denn Modelle, bei denen dann die Hardware mit einem gesonderten Ratenvertrag vom Handyvertrag entkoppelt wird, entzieht den Angeboten die Magie. Wer schließt künftig einen Einjahresvertrag ab, wählt dazu dann aber einen Zweijahres-Hardware-Vertrag?

Handyvertrag: Laufzeit bald nur noch 1 Jahr maximal?

URSPRÜNGLICHER BEITRAG VOM 1.4.2019 Die neuen Mindestlaufzeiten sind Teil eines ganzen Pakets, das Justizministerin Katarina Barley für die Bekämpfung von Kostenfallen schnüren will.

Neben der Reduzierung der Mindestlaufzeit von bisher 24 Monate auf 12 Monate soll auch der Zeitrahmen einer Vertragsverlängerung reduziert werden: Statt bisher um 12 Monate sollen sich Verträge dann nur noch um jeweils 3 Monate verlängern. Die Kündigungsfrist soll auf einen Monat gekürzt werden.

Das berichtete die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (faz.net), weitere Informationen gibt es unter tagesschau.de.

Bislang handelt es sich jedoch um  Vorschläge . Ob und wann die Pläne zu einem konkreten Gesetz werden, steht noch nicht fest.

Verträge: Mindestlaufzeit 12 Monate, Verlängerung um nur noch 3 Monate

  • Handy- und Festnetzverträge: Mindestlaufzeit nur noch 12 Monate
  • Vertragsverlängerung greift für maximal 3 Monate
  • Kündigung ein Monat vor Vertragsende

Höhere Preise durch kürzere Handy-Vertragslaufzeiten?

Die neue Handy-Vertragslaufzeit würde zwar als Vorteil mehr Flexibilität bringen, könnte jedoch zu höheren Preisen führen. Denn klar: Der Mobilfunkanbieter wird die Kosten für Smartphone & Co. dann nicht mehr auf zwei Jahre, sondern auf die Hälfte des regulären Zeitraums verteilen. Das kann sich in höheren Zuzahlungen, aber eben auch in höheren monatlichen Kosten niederschlagen.

12 Monate Handy-Vertragslaufzeit - wirklich nötig?
  • Wir wären für Wahlfreiheit!
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Dieser Verbraucherschutz wird teuer

Verbraucherschutz ist wichtig und richtig, ohne Frage! Gerade deshalb achten wir so akribisch aufs Kleingedruckte in den Angeboten, weisen euch aktiv auf Fallstricke hin, wenn es etwas zu beachten gibt (Stichwort: Testoptionen). Der Vorstoß für ein neues konkretes Gesetz würde aus Preis-Leistungs-Sicht mehr schaden als nützen – und deshalb hatte der Bundestag auch dagegen votiert. Diejenigen, die bislang eifrig Angebote verglichen, rechtzeitig gekündigt haben, um dann wieder einen neuen preiswerten Vertrag zu finden, würden künftig abgestraft. Denn mit einer nur 12-monatigen Vertragslaufzeit werden viele Handy-Bundles mit Vertrag unattraktiver. Gut für die Mobilfunkanbieter, denn so steigt der Umsatz pro Monat an, wenn künftig für Smartphones mit höherem fixem Sockelbetrag in Vorleistung gegangen werden muss. Oder die Grundgebühr steigt einfach. Sollte solch ein Gesetz doch einmal verabschiedet werden, werden die Mobilfunkpreise jedenfalls steigen müssen, da kann es keine 2 Meinungen geben. Wenn Verbraucherschutz also steigende Preise bedeuten soll, um vor Knebelverträgen und Preissteigerungen nach 2 Jahren besser zu schützen, dann ist das auch Teil der Wahrheit. Schade, dass cleveren Sparern dann die Chance auf günstige Verträge genommen wird. Deshalb haben wir einen Vorschlag, auch für die Zukunft: Wie wäre es stets mit Wahlfreiheit? Die Basis-Laufzeit kann man ja gern auf 12 Monate beschränken, wenn Verbraucher dafür die Chance bekommen, freiwillig auch längere Laufzeiten auszuwählen, um damit die Kosten geringer zu halten. Und bitte ohne Quotierung (nur 25% mehr hieß es da mal), das wäre völlig aus der Zeit gefallen. Denn was die einen als Lockvogelangebot diskreditieren, wissen Schnäppchenjäger*innen als Rabatt in der ersten Mindestlaufzeit zu schätzen.

Daniel
Über Daniel (Redaktion) (4669 Artikel)
Mobilfunk-Experte und Schnäppchen-Fan seit 2009 / viel zu ehrlich, um euch einen zu teuren Handytarif anzuschnacken / kennt die Tricks der Mobilfunkanbieter und weist euch auf Kostenfallen hin / 2019 als Mobilfunkexperte für RTL im Einsatz / zahlt monatlich ca. 12 € für seine Unlimited-Flat im Vodafone-Netz / Rufnummernportierer seit 1999 / nutzt aktuell ein iPhone

Was haltet ihr von einer Reduzierung der Mindestvertragslaufzeit auf max. 12 Monate?

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4 Kommentare zu Handy-Vertragslaufzeit höchstens 12 Monate? Das Gesetz kommt (zum Glück) nicht (Analyse, Einschätzung & Vorschläge) – die Verbraucherzentrale ist aber weiterhin dafür!

  1. Richtig so

    • Auf jeden Fall richtig, dass 12 Monate nicht die Norm wird. Das wäre für viele Verbraucher teurer geworden. Durch die neue Kündigungsfristen-Regelung dürfte es nun aber verbraucherfreundlich(er) werden.

      Schade nur, dass Anbieter nun nicht gezwungen werden, Tarife mit kürzeren Laufzeiten qua Gesetz (überhaupt) anbieten zu müssen. Aber es gibt ja glücklicherweise viele Anbieter, die diesen Markt bereits beackern – und sich das dann evtl. über den Wettbewerb regeln wird.

  2. Werner Haucke // 15. August 2019 um 22:24 // Antworten

    Vollkommen Richtig !Wer ein neues Handy auf Raten braucht kann dies auch anders gestalten.Manch einer überlegt sich dann ,ob er auch wirklich ein neues braucht.Die jetzige Praxis verschleiert nur die echten Handykosten .Günstige Mobilfunktarife wird es auch weiterhin geben , nur werden die tatsächlichen Kosten für das Handy transparenter !

    • Danke für die Meinung!

      Das ist m.E. eine Frage der Perspektive und leider ein weit verbreiteter Irrglaube, dass das „Handy auf Raten“ zum Vertrag teurer wäre – dem ist nämlich nicht so, wenn man clever bei Drittanbietern schaut (was bspw. wir Tag für Tag tun). Direkt beim Netzbetreiber oder den Anbietern selbst hingegen wird oftmals sehr viel mehr als „Handy-Aufschlag“ fällig, man sollte aber als Gesetzgeber und Verbraucher stets den Gesamtmarkt (und nicht nur einen Teil-Ausschnitt) betrachten, für den es dann womöglich geregelt wird.

      Die tatsächlichen Kosten transparent aufschlüsseln (wenn es daran mangelt) könnte der Gesetzgeber ja nun mal schon längst regeln! Stattdessen wurde ein (wirkungsloses) Produktinformationsblatt zur Pflicht, das lediglich den Basistarif ausweist, es durch Aktionstarife aber häufig Abweichungen davon gibt (was die Praxis nun mal zeigt). Übrigens (anderes Thema) genauso, wie das Werben mit LTE-Max-Angaben einzuschränken / der Realität anzupassen.

      Meine Meinung wäre eben Wahlfreiheit für alle: Einjahresvertrag als Basis – aber wer sich freiwillig länger bindet, soll wie heute von den besseren Konditionen profitieren. So kann es günstig bleiben, und die, die sich nicht gern um Vertragsdinge kümmern, wählen dann nach wie vor Einjahrestarife mit entsprechender Vertragssicherheit. ;-)

      Aber sicher ein streitbares Thema!


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