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vzbv: Mobiles Datenvolumen ist in Deutschland im Vergleich »überdurchschnittlich teuer« – aber stimmt diese Teuer-These überhaupt? (Wir sind irritiert)

vzbv hat Datentarife bis 2019 ausgewertet - wir haben Zweifel

vzbv: Mobiles Datenvolumen in Deutschland ist überdurchschnittlich teuer Welch eine Aussage! Mobiles Datenvolumen ist in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern »überdurchschnittlich teuer« − klingt wie eine Binsenweisheit, so oft, wie man das mittlerweile hört, aber zu diesem Schluss kommt auch eine »Auswertung« des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), die heute (21.7.2021) veröffentlicht wurde. Wie aussagekräftig diese Punchline aber wirklich ist, solltet ihr euch selbst anhand der ausgewerteten Faktenlage fragen. Denn zum einen handelt es sich um eine Auswertung alter Preise, nämlich die der Vorjahre.

»Die Durchschnittspreise basieren auf den Erhebungen der Europäischen Kommission  aus den Jahren 2016 bis 2019  und wurden datenpaketübergreifend berechnet. [...] Ausgewählt wurden in Europa die Länder mit dem größten Bruttoinlandsprodukt sowie die drei Länder mit den günstigsten Preisen für mobiles Datenvolumen im Jahr 2019.«
Zum anderen ging es dabei nicht um Mobilfunktarife, sondern um reine [sic!] Datentarife:
»[...]  im Jahr 2019  zahlten deutsche Verbraucher im Schnitt etwa drei Mal so viel wie Endkunden in den besonders günstigen europäischen Ländern. Dies zeigt sich anhand der durchschnittlichen Kosten für ein Gigabyte mobiles Datenvolumen  bei reinen Datentarifen , die in den europäischen Ländern stark variieren. Zum Beispiel zahlten 2019 Verbraucher in Polen 0,83 Euro für ein Gigabyte mobiles Datenvolumen,  während in Deutschland der Preis dafür bei 3,35 Euro lag 
Wer sich ein wenig im deutschen Markt für Datentarife auskennt, wird wissen: Dort hat sich in den vergangenen Jahren kaum etwas getan, zu gut (und günstig) wurden im Vergleich die Mobilfunktarife mit Datenvolumen ausgestattet, was übrigens auch die Verbraucherzentrale in derselben Presseerklärung mitteilt. Unlimited-Tarife könnt ihr euch bereits für 14,99 € im Monat holen, und bei den Drillisch-Tarifen gilt längst Pi mal Daumen: 1 € pro Gigabyte.

vzbv-Auswertung im Widerspruch zur EU-Analyse, auf die sie sich stützt

Was bleibt?

Eine reißerische Headline, alte Daten (wobei es der Verbraucherzentrale ja nicht um die mittlerweile unrealistischen 3,35 € pro Gigabyte, sondern ums Verhältnis bzw. den Abstand zu den günstigsten 3 Ländern in Europa geht), keine Netz-Differenzierung (da der Preis ja stark vom jeweiligen Netz abhängt), keine Auseinandersetzung mit Prepaid (immer sehr kostspielig) oder Postpaid − und vielleicht, dass der ein oder andere überliest, dass es sich bei der Auswertung allein um Daten-, nicht aber Handyverträge handelt, was die Relevanz für viele Verbraucher*innen einerseits schmälert − und womit andererseits auch ganze andere Ergebnisse zum Tragen kämen. Gut, Letzteres ist eine nicht unterfütterte Unterstellung, ich meine es nicht so (gemein).

Aber: Schade, dass die Verbraucherzentrale hier auf diese Schwächen ihrer Auswertung (→ hier als PDF zum Download verfügbar) selbst nur in den Fußnote hinweist:

»Bezieht man Mobilfunkpakete mit mobilem Datenvolumen, Gesprächsminuten und SMS in den Vergleich ein,  liegt Deutschland im europäischen Mittelfeld 

Ganz ausführlich bzw. diametraler steht das übrigens auch → bei der EU. Schaut euch mal Seite 174 im Full Report für 2019 an.

»Compared to all EU28 countries,  prices for mobile broadband in Germany are lower than the EU average . However, the lowest price of offers for consumers requiring 20 GB mobile data with no calls is slightly higher than the EU average.«

EU »widerspricht« der Überdurchschnittlich-teuer-These des vzbv

In dem EU-Report der Analyse der Daten, auf die sich der vzbv auch stützt, wird also genau das Gegenteil ausgeführt, zumindest für einen Ausschnitt an Tarifen. Grundsätzlich ist die Teuer-These unserer Meinung nach in dieser Eindeutigkeit und Eindimensionalität, wie sie die Verbraucherzentrale veröffentlich, nicht nachvollziehbar.

Wie passt das zusammen?

Wir finden das seltsam, unlogisch, nicht erklärbar, wie die Verbraucherzentrale, eine Instanz, auf diese Auswertung kommt. Gerade, wenn man mit » überdurchschnittlich  teuer« an die Presse herantritt. Es drängt sich der Gedanke auf, dass man damit einfach eine Schlagzeile möchte und die Daten so ausgewertet hat (reine Datentarife), bis es für eine krasse Headline passt. Stand das Ergebnis womöglich vorher fest? Wir sind irritiert, sollte damit wirklich so eine Strategie verfolgt werden.

Ja, das machen derzeit viele, alles für die Schlagzeile. Wenn das der vzbv im Sinn hatte − das wäre traurig, wir trauen es ihm eigentlich auch nichtzu. Und es diskreditiert natürlich nicht die wertvolle Arbeit der Verbraucherzentralen, auch für den Mobilfunk, eher sind wir für den Augenblick enttäuscht.

Oder haben wir etwas übersehen, überlesen?

Klärt uns gern hier in den Kommentaren auf!

Daniel
Über Daniel (Redaktion) (4582 Artikel)
Mobilfunk-Experte und Schnäppchen-Fan seit 2009 / viel zu ehrlich, um euch einen zu teuren Handytarif anzuschnacken / kennt die Tricks der Mobilfunkanbieter und weist euch auf Kostenfallen hin / 2019 als Mobilfunkexperte für RTL im Einsatz / zahlt monatlich ca. 12 € für seine Unlimited-Flat im Vodafone-Netz / Rufnummernportierer seit 1999 / nutzt aktuell ein iPhone

Könnt ihr die Daten der Verbraucherzentrale verstehen?

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Externe Quellen und Bild-Hinweise: Mobiles Internet in Deutschland überdurchschnittlich teuer, Pressemitteilung des Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) vom 21.7.2021, https://www.vzbv.de/pressemitteilungen/mobiles-internet-deutschland-ueberdurchschnittlich-teuer, letzter Abruf am 21.7.2021


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